Die Wuhle im Wechsel der Jahreszeiten
Depression – nicht Schicksal, sondern Chance

Aktuelle Ausstellungen:

25.09.17 - 20.11.17 Berlin Lichtenberg
Kommunale Begegnungsstätte
Ribnitzer Str. 1b, 13051 Berlin


Bisherige Ausstellungen:


02.11.15 - 31.03.16 Gemeinde Rathaus Ahrensfelde
Lindenberger Str. 1, 16356 Ahrensfelde
23.01.15 - 23.02.15 Berlin Lichtenberg
Selbsthilfe Kontakt- und Beratungsstelle
Ahrenshooper Str. 5, 13051 Berlin
14.06.14 – 11.07.14 Berlin Marzahn-Hellersdorf
Krankenhauskriche im Wuhlgarten
Brebacher Weg 15, 12683 Berlin
14.07.14 – 22.08.14 Berlin Marzahn-Hellersdorf
Klub 74 Nachbarschaftszentrum Hellersdorf e.V.
im Kompass - "Haus im Stadtteil"
Kummerower Ring 42, 12619 Berlin
11.11.14 – 09.01.15 Berlin Marzahn-Hellersdorf
Pflegewohnzentrum Wuhlepark
Bansiner Str. 21, 12619
05.02.15 - 20.03.15 Berlin Neukölln
Bürgerzentrum Neukölln gGmbH
Werbellinstr. 42, 12053 Berlin

Ich fange an zu lachen

Kennen Sie das auch? Sie sind unterwegs, der Kopf ist voller Gedanken, die kreisen, lassen mich nicht mehr los. Ich nehme mein Rad und fahre los. Die Gedanken sind wieder da, geben keine Ruhe.

Dann fliegt für einen Moment ein kleiner Vogel neben mir her. Ich schaue zu ihm, meine Augen folgen ihm. Ich erkenne eine Blaumeise. Sie fliegt ins Gebüsch und setzt sich auf einen Zweig. Längst habe ich den Apparat in der Hand und sehe durch. Jetzt bin ich mit ihr allein. Ich beobachte sie. Ich erkenne die Musterung im Gesicht. Sie sieht putzig aus. Jede Bewegung nehme ich wahr. Schon rutscht ein kleines Lächeln über mein Gesicht. Die quälenden Gedanken waren für diesen Moment weg.

Ich beschließe, mich jetzt auf die Wuhle zu konzentrieren. Es passiert mir oft, dass erst ein Vogel, ein Reh, eine Blume mich „wachrütteln“ und mir sagen, du bist hierher gefahren, um dem Kopf die Ruhe zu geben.

Ich fahre weiter und entdecke eine Ente. Für manche eine ganz normale Stockente. Ich bleibe stehen und sehe sie an. Sie schenkt mir ein Lächeln, ein kleines verschmitztes Lächeln. Jetzt geht es wie von allein.

Die Schwanzmeise zeigt mir stolz ihre Beute. Ich sehe auf einmal so viele Dinge, an denen ich sonst vorbeigehe, mir die Zeit nicht nehme, so den Schmetterling an der lila Blüte. Ich bin erstaunt welche Farben die Natur so in petto hat. Im Winter laure ich sehnsüchtig auf die ersten Eiszapfen. Ich entdecke die eine oder andere Figur. Der eine Eiszapfen – er sieht so im trockenen Gras schön aus. Oder ist es ein Delphin, der aus dem Wasser springt? Schaue ich noch genauer hin, sehe ich einen kleinen Vogel, der eingeschlossen ist. Einen Eisvogel – ja, aber nur im übertragenen Sinn. Den Eisvogel gibt es an der Wuhle auch zu sehen. Gerade im Kontrast zu dem Schnee finde ich ihn besonders schön.

Je länger ich so an der Wuhle unterwegs bin, bemerke ich so ein kleines Ziehen in der Wange. Ich weiß, was passiert. Ich gebe mir noch einen Anstoß. Los mach schon. Es breitet sich nicht nur ein Lächeln im Gesicht aus. Es lösen sich alle Verkrampfungen und es scheint mir, das Gesicht fängt an zu platzen, zu platzen vor Freude. Ich fange an zu lachen. Es ist keiner weiter da nur ich, mein Fahrrad, mein Fotoapparat, die Wuhle mit den Blumen, Tieren, Bäumen und Sträuchern.

Es kostete kein Geld, einfach nur etwas Zeit. Zeit, die ich mir spendierte und ich selbst belohnte mich dafür. Natürlich war es nicht immer so. Auch wenn es jetzt mal nicht so läuft, weiß ich, es ist Zeit für die Wuhle. Manchmal da dauert es schon mehrere Tage oder auch Wochen bis es wieder klappt. Aber ich weiß, ich werde es wieder schaffen. Von ganz Innen kommt ein: „Danke, liebe Wuhle.“

Zeit – Danke zu sagen

Fast gleichzeitig ein Dank an die Menschen, die mich auf diesem Weg begleiten.

Werner, nicht nur für die Gespräche an der Wuhle, auch dafür, dass du mich Anfang 2013 ansprachst und fragtest: “Was willst du mit deinen Bildern machen?“ Es kam die Idee mit der Ausstellung und deine Begleitung bis heute.
Danke, lieber Werner.

Einen besonderen Dank an meinen Mann und meine Kinder.

Kurz zum Anfang zurück. Dieser andere Weg, er fing an mit den Worten: „Was suchst du noch hier, merkst du nicht, dass du krank bist.“

Danke Simone, dass du damals den Mut hattest, es mir zu sagen. Nein, ich wollte es nicht wahrhaben. Es schien als hätte irgendetwas in mir auf diese Worte gewartet, alle Dämme brachen.

Ich wusste zunächst nicht wohin, was tun. Mir fiel nur Fr. Dr. Petenyi ein. Sie waren damals mein erster Auflauf und begleiten mich bis heute. Mir gefällt ein Satz von ihnen: „Es kann nicht immer aufwärts gehen und manchmal da kann ein Schritt zurück auch heißen, ich brauche nur etwas Anlauf, um über den nächsten Berg zu kommen.“ Danke, Liebe Fr. Dr. Petenyi.

Claus, wir fuhren oft gemeinsam ein Stück an der Wuhle und du warst es, der mir so viel zeigte über die Tiere, die hier an der Wuhle sind. Einmal waren wir unabhängig voneinander unterwegs. Wir trafen uns und tauschten uns aus, darüber was wir sahen. Unabhängig voneinander sahen wir die zwei Frösche am zweiten Klärteich auf dem kleinen Stock. Als ich mir einmal einen neuen Apparat kaufen wollte, rietst du, ich solle einen nehmen, mit Sucher. Ich würde die Tiere besser sehen, ihnen näher kommen. Es gäbe noch sehr viel zu erzählen. Danke lieber Claus.

Es ist übrigens typisch für die Menschen, die ich an der Wuhle treffe und mit denen ich ins Reden komme. Wir reden über das, was wir bisher sahen und wir kommen so ins Schwärmen, zeigen uns gegenseitig, wo das nächste Motiv „lauert“. So z.B. Volker und seine Frau, aber noch so einige andere, die ich nicht mit Namen kenne. Danke

Es gibt natürlich auch so den einen oder anderen Spaziergänger, der sich wundert, was ich so treibe, hier mit dem Fotoapparat. Zeige ich dann den Vogel, die Blume ist er erstaunt, was es hier alles so gibt.

Wichtig waren und sind auch die Menschen, die unabhängig von der Krankheit ganz normal mit mir reden, mir halfen und an mich glaubten. Ich kann nicht alle an dieser Stelle aufzählen, da wären u.a. Frau Pötzsch, Fr. Dr. Lebek, die Kolleginnen und Kollegen aus meinem jetzigen Team.

Einen Dank an Dorothee. Du warst die Erste, die mir glaubte, was so los war, nahmst mich immer ernst, wurdest für mich ein sehr angenehmer Gesprächspartner, warst einfach mal nur da, wenn ich ein Ohr brauchte. Etwas konnte ich dir zurückgeben. Wir trafen uns in der Nähe der Wuhle und so konnte ich dich etwas aus dem Alltag holen, dir die Schönheit der Wuhle und Umgebung zeigen.

Alle, die ich bisher nannte, sind Bausteine dafür, dass ich hier heute stehe und ihnen meine Bilder zeigen kann. Ein ganz wichtiger fehlt noch.

Ohne eine Psychotherapie würde ich heute hier nicht stehen und ihnen diese Bilder zeigen. Für mich war es ein Glück, dass ich mit ihnen Fr. Dr. Scheidig zusammen arbeiten konnte und kann. Es war und ist nicht leicht. Es kostet oftmals sehr viel Kraft.

Unvergessen ist für mich, als ich das erste Mal aus ihrer Praxis ging und ich hatte so etwas wie ein Gefühl der Leichtigkeit. Etwas später sagten sie dann: „Warten Sie bis es ihnen richtig gut geht.“ Ich konnte es mir nicht vorstellen, dass es noch besser gehen sollte. Was ich so erlebte war und ist zum Teil sehr erstaunlich, unglaublich. Einmal dachte ich schon, dass mein Kopf jetzt total abdriftet. Sie schrieben, es wäre höchsterfreulich, was da passierte. Sie behielten Recht, es kamen mehr Momente der Leichtigkeit und noch mehr.

Die Bilder und die Wuhle, sie waren Begleiter über die ganzen Jahre. Es ging so einige Male hoch und dann wieder ganz tief nach unten. Sie fragten mich, als ich mal auf dem Weg in die Talsohle war, wann ich das letzte Mal an der Wuhle war, so richtig lange. Ja, das gab es auch, dass ich vergessen hatte, was für ein Kraftquell dieser Ort für mich war und ist.

Ich wollte immer etwas zurückgeben. Zurückgeben, weil ich merkte, es tat sich etwas in mir und ich fand sehr viele Momente dieser Leichtigkeit. Sie sagten: „Ich mache doch nur meine Arbeit.“

Für all dieses möchte ich mich heute bei ihnen stellvertretend bei all denen bedanken, die nur einfach ihre Arbeit machen. Danke, dass sie SO ihre Arbeit machen, wie sie sie machen.